Ontario – Teil 1

von Klaus:

Ottawa, Sonntag 12.06.2016

Wir haben, im wahrsten Sinne des Wortes, eine stürmische Nacht hinter uns. Nicht nur das es wirklich ganz schön stürmt und Balu etwas hin und her wackelt – nein wir werden auch noch um 3 Uhr morgens von der Security geweckt. Wir dürfen hier (Starbucks Parkplatz, besseres wlan) angeblich nicht bleiben, wieso fällt denen das um 3 Uhr morgens ein. Johanna bleibt liegen und ich fahre 100 m weiter zu Walmart.

Heute ist wieder länger Schlafen- und Reparaturtag. Unsere Wasserpumpe brummt während des Betriebs etwas laut, ich denke mir, daß es an der Montage an der Rückwand liegt, deshalb baue ich die Pumpe auf den Boden. Schläuche ändern, Steckverbinder usw., geht aber recht schnell. Das Ergebnis lässt zu wünschen übrig – die Arbeit hätte ich mir sparen können. Johanna räumt in der Zwischenzeit auf und schreibt am Blog, ist auch nicht ohne. Das Regal über den Bordbatterien hat sich während einer Vollbremsung leicht verschoben und bekommt zur Sicherheit noch einen zusätzlichen Spanngurt.

Währenddessen bekommen wir immer wieder Besuch, einer ist sogar so neugierig daß er fast unter Balu kriecht. Im Nachhinein – Gott sei Dank, denn dabei bemerke ich das von unserem Unterfahrschutz alle Schrauben locker sind, den hätten wir fast verloren.

Bitte keiner mehr über deutsche Straßen lästern, die haben hier befestigte Feldwege …

Ansonsten ist heute nichts tun angesagt.

Ottawa, Montag 13.06.2016

Das Wetter ist heute richtig angenehm, Sonne und Wolken wechseln sich ab.

Wir sind gerade aufgestanden, da klopft es an unserer Tür – nicht schon wieder denke ich mir. Johanna schaut raus, Polizei! Sie haben einen Anruf bekommen, das unser Balu kein Nummernschild hat, wir klären die Sache auf, deutsche Zulassung, deutsche Kennzeichen usw. – alles ok.

Anmerkung wegen unseren Kfz-Kennzeichen:

Wir haben die originalen Kennzeichen nicht am Fahrzeug, damit sie nicht als Souvenir geklaut werden. Da wir gesehen haben, daß in Nova Scotia (und auch New Brunswick und Québec) die Fahrzeuge nur hinten ein Kennzeichen haben, ist bei uns auch nur hinten eines montiert (ohne TÜV und Siegel).

Es lässt uns aber irgendwie keine Ruhe – wie kommen die auf die Idee wir hätten keine Nummernschilder am Fahrzeug? Und als wir zum Bus gehen bemerken wir das hier die Autos auch vorne Nummernschilder haben, das war der Aha-Effekt! Wir sind in Ontario – andere Länder, andere Sitten. Und ab sofort bekommt Balu auch vorne ein Kfz-Kennzeichen. Wir wollen ja keinen Ärger.

Wir fahren mit dem Bus in die Innenstadt, zuerst auf die Gatineau-Seite (liegt wieder in Québec). Das ist die Stadt auf der gegenüberliegenden Flußseite, von dort hat man einen schönen Blick auf die Downtown von Ottawa und den Parliament Hill.

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Zu Fuß geht es zurück über den Fluß zum Bay Ward Market. Hier kann man Obst, Gemüse, alle möglichen Lebensmittel und Souvenirs kaufen. Wir kaufen uns ein schönes Stück Käse, ist hier mal vergleichsweise günstig.

Wir gehen zum Parliament Hill und wollen eine Führung mitmachen – leider heute nicht mehr, dann eben nicht. Unser nächstes Ziel ist der Rideau-Kanal, dieser verbindet Ottawa mit Kingston am Ontario See. Der Kanal wurde sozusagen im Hinterland zum St. Lorenz Strom angelegt da Übergriffe der USA auf die damals britische Kolonie Oberkanada befürchtet wurden. Über mehrere Schleusen ist der Kanal direkt beim Parliament Hill mit dem Ottawa River verbunden.

Unser Spaziergang führt uns an den Schleusen entlang, am Ottawa River und um den Parliament Hill herum. Wir gehen noch ein bisschen die Shopping Mile entlang bevor wir wieder nach „Hause“ fahren. Hier in Ottawa haben wir noch nie so viele Busse auf einmal gesehen, ganze Fahrspuren waren voller Busse – keine Autos dazwischen. Unvorstellbar wenn man es nicht selbst gesehen hat.

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Ottawa, Dienstag 14.06.2016

Laut Wetterbericht haben wir eine schöne Woche vor uns, hoffentlich stimmt das auch denn wir wollen in den Algonquin Provincial Park. Wir kaufen noch bei Walmart ein, telefonieren und dann brechen wir auf.

Auf der Strecke in den Algonquin findet Johanna einen Truck Wash, super! Wir können Balu endlich mal mit Hochdruckreiniger sauber machen. Zwischendurch ist in Renfrew waschen angesagt und eine Stärkung bei Wendy’s genehmigen wir uns auch. Auf unserer Fahrt sehen wir heute zum ersten Mal „Amish“, mit Pferdekutsche, langem Bart und großem schwarzem Hut – fast wie im Fernsehen.

In Berry’s Bay finden wir einen schönen Platz zum Übernachten, direkt beim TI.

Berry’s Bay, Mittwoch 15.06.2016

Der Wetterbericht hat gehalten was er versprochen hat, strahlender Sonnenschein. Wir kaufen noch für die nächsten Tage ein, denn im Algonquin gibt’s nicht viele Möglichkeiten. Wir halten am Eingang des Parks, versorgen uns mit Karten und weiter geht’s. Nach kurzer Fahrt haben wir gleich ein erstes Highlight – ein Elch. Er steht im Wasser und nimmt einen kleinen Snack zu sich. Wir bleiben stehen und laufen zurück, wir wollen ja schließlich auch ein paar Bilder machen – Elch weg!

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Wir machen noch zwei kleinere Wanderungen, die erste am Booth Rock, 5,1 km lang, Rundweg. Nur hält die Brücke Balu auch????

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Tolle Wanderung, an zwei Seen vorbei, schöner Lookout und trotz 25 Grad, wenn ich daran denke, friert mich immer noch… auf dem Weg durch den schönen Wald, raschelt es plötzlich und dann sehe ich sie – eine kanadische Riesenschlange! Johanna brauchte eine Lupe um sie zu sehen, aber mir hat es die Haare aufgestellt.

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Die zweite Wanderung ging zu einem Aussichtspunkt, 2,1 km lang. Im Herbst ist die Wanderung bzw. der Aussichtspunkt wegen dem Indian Summer bestimmt klasse, aber jetzt sieht man „nur“ eine riesige grüne Fläche. Kein See, nix, nur grüner Laubwald.

Jetzt geht’s weiter zum Pog Lake, Premiere für unser eigenes Kajak, wir suchen uns eine ruhige Stelle, wir wollen schließlich keine Zuschauer wenn wir ins Wasser fallen. Tja, falsch gedacht, es waren Zuschauer da, aber es klappt alles. Ok wir mussten nochmal an Land, da ich Johanna nicht geglaubt habe, daß wir die beiliegende Finne brauchen – die Richtung konnten wir ohne das Teilchen nicht halten, also wieder an Land, Finne montiert und Richtung halten ging plötzlich. Wir paddeln über eine Stunde lang durch Kanadas Wildnis (hier gibt´s keine Bilder, da wir befürchteten ins Wasser zu fallen und die Kamera dann auch).

Algonquin Provincial Park, Donnerstag 16.06.2016

Für heute haben wir die Track&Tower Wanderung auf dem Programm, 4 Stunden für 7,5 km hört sich nach anspruchsvoller Wanderung an. Ist auch eine schöne Wanderung, Lookout über den Park, Laubfrosch und wieder Schlange inklusive.

Die Strecke verläuft teilweise auf einer alten Bahnstrecke (über 140 Jahre nicht mehr benutzt), vorbei an Seen, Bächen, Moore, usw. Wir sind platt!

Abends machen wir wieder eine kleine Tour mit unserem Kajak- diesmal können wir einen Biber ganz aus der Nähe beobachten – tolles Erlebnis. Wir fahren etwa 1,5 Stunden umher, heute sind die Blackflies richtig lästig, vor allem die Biester stechen auch mich!

Algonquin Provincial Park, Freitag 17.06.2016

Das Wetter lässt uns nicht im Stich, strahlender Sonnenschein, fast schon zu warm für eine anstrengende Wanderung. Die schwierigste Tour haben wir uns für heute aufgehoben, den Mizzy Lake Trail. Ein bisschen Muffe haben wir schon, er ist mit 10,8 km zwar nicht so lang, aber die dafür benötigte Zeit ist mit 6 Stunden angegeben. Und die Wanderung hat es in sich, anfangs ist sie noch leicht, aber dann geht es stundenlang über Stock und Stein. Das ist mehr klettern als wandern – aber nicht meckern wir waren vorgewarnt! Die Anstrengung hat sich aber gelohnt, die Natur entschädigt für alles. Wasserschildkröten, Reiher, Frösche, fleischfressende Pflanzen und vieles mehr.

Für die Tour brauchten wir knapp 6 Stunden und sind fix und alle, aber wir haben es geschafft!

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Nach einer kurzen Erholungspause verlassen wir den Park, und machen in Huntsville „Wallydocking“.

Huntsville, Samstag 18.06.2016

Wir lassen den Tag ruhiger angehen, die Tage im Algonquin waren wunderbar, aber auch anstrengend. Es steht ein Besuch auf der Sugarbush Hill Maple Farm auf dem Programm.

Hier machen wir eine Führung mit, da es sich um einen kleinen Familienbetrieb handelt und die Führung nur aus 4 Personen besteht, kann man wirklich alles fragen. Vom Anbohren der Bäume, sammeln des Safts mittels Vakuumrohrsystem und das anschließende Kochen. Und Tom, sprach auch gut deutsch, merkte man an, daß dies sein Lebenstraum war. Er erzählte mit voller Leidenschaft warum es Sugar Maker heißt und nicht Sirup Maker und viele andere Geschichten rund um den Maple Sirup. Ebenfalls war ein Abschnitt des größten Ahornbaumes zu bewundern (ca. 400 Jahre alt). Man konnte die Bohrlöcher, die immer wieder zum Anzapfen des Baumes gebohrt wurden, sehen.

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Auf jeden Fall schmeckt der „Home made“ Sirup besser als der aus dem Kaufhaus. Wir nehmen ein Fläschchen und ein Glas Maple-Senf mit.

Unsere Fahrt geht weiter zum Huron Lake nach Honey Harbour, total tourimäßig, wir fragen in einem Resort nach einem Stellplatz, wir dürfen leider nicht. Es wäre ein toller Stellplatz gewesen, direkt am See, schade. Obwohl das Resort ausgesehen hat als könnte es ein paar Dollar brauchen, total vergammelt, aber sie wollen uns nicht. Wir finden einen schönen Stellplatz in der Nähe des TCH 400 Exit 156.

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Unsere Route (684 km) – einfach anklicken

Kosten:
Algonquin 3 Tage, 2 Übernachtungen	Can$ 89,84

 

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