Fahrzeugumbau

von Klaus:

Hier ein paar Fotos von Balu, sozusagen noch im Originalzustand, aber das sollte sich die nächsten Monate ändern…

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Die Pritsche bestand aus maroden Holzplatten die im Laufe der Zeit regelrecht verfault waren, wir haben sie teilweise schon bei unseren „Bewegungsfahrten“ verloren.

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Das Fahrerhaus – funktionell, postmodern. Hier mussten wir (und ganz besonders ich) doch auf ein wesentliches Ausstattungsmerkmal verzichten.

Männer brauchen einen Drehzahlmesser… Gott sei Dank kann man den nachrüsten!

Die Bestellung für den Drehzahlmesser läuft schon seit geraumer Zeit…Zeit…Zeit…tja. Eigentlich sollten unsere Originalreifen im Januar 2013 abgeholt werden und da der Interessent einen passenden Drehzahlmesser hat, hätte das wunderbar gepasst.

Betonung liegt auf sollte, denn letztendlich haben wir unsere Reifen für die “Dust and Diesel Rallye” (AEPN Mauretanienhilfe e.V. ) gespendet. Normalerweise fahren die Leute alte, aber funktionierende PKW (vorzugsweise Mercedes) nach Mauretanien. Dort werden alle Fahrzeuge verkauft und das Geld wird direkt an Waisenhäuser gespendet. Im Frühjahr 2013 war auch ein 1017 mit auf Tour und der konnte unsere alten Reifen sehr gut brauchen.

Zurück zum Drehzahlmesser – es hat zwar lange gedauert, aber das Versprechen wurde gehalten und wir haben den Drehzahlmesser per Post bekommen.

Nur die Sache hatte einen kleinen Haken – er funktionierte nicht. Hilfe bekamen wir aus dem Allrad Forum.

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Aber leider leider, der Drehzahlmesser war defekt. Aber dank ebay und Johanna bekam ich doch noch einen der funktionierte.

Dann das richtige Werkzeug aus Solingen besorgt und der Umbau konnte beginnen. Baumarktware hält bei mir nicht lange – an wem das wohl liegt?

Wir haben alles abgeschraubt, über Stoßstange, Kotflügel und Türen. Das komplette Fahrerhaus wurde ausgeräumt. Einzig die Kabelbäume haben wir drin gelassen.

Das Ausbauen der einzelnen Teile ging relativ problemlos, wir brauchten lediglich Schlitz- und Kreuzschraubendreher, sowie Ring- oder Gabelschlüssel in den Größen 10, 13, 17 und 19. Alles war geschraubt und die meisten Verbindungen gingen selbst nach 30 Jahren noch problemlos auf.

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Und dann war er doch da, keiner will ihn haben aber irgendwo findet man ihn immer, ROST ! Und das nicht zu knapp …

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Aber was soll’s, unser Balu ist ja schließlich Oldtimer und das verrostete Blech war schnell ausgetauscht. Und einen Vorteil hat es auch noch, da wir Balu neu aufgebaut haben – sind wir jetzt mit (fast) jeder Schraube per „Du“.

Das „fast“ bezieht sich auf sieben Originalschrauben von Mercedes – bei dem Preis konnte wir uns mit den Schrauben nicht anfreunden …  

Dann war die Pritsche an der Reihe, der Trennschleifer musste ran …

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Wir haben zuerst die Befestigungen für die Sitzgruppen auf der Pritsche und anschließend die kompletten Bordwände samt Halterungen und umlaufender Stahlkonstruktion entfernt.

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… und hoffentlich gut gesichert, denn leicht waren die nicht – gemeint ist natürlich die Stahlkonstruktion!

Der Dachstuhl hat gehalten, und das Endergebnis sah dann so aus:

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Dann ging es an die Feinarbeit, Rost entfernen, Roststopper, grundieren …

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Außer dem Bodenblech auf der Fahrerseite (Schwachstelle Lenksäule) war der Rahmen rund um die Frontscheibe die nächste größere Baustelle. Aber Stück für Stück haben wir Balu vom Rost befreit …

Zwischenzeitlich hatten wir alle Teile, die wir abgebaut hatten, ebenfalls gereinigt und neu lackiert. In unserem Keller hat es manchmal wie in einer Lackiererei ausgesehen, wenn es draußen zu kalt war um zu lackieren.

Den Innenraum haben wir ebenfalls von Grund auf renoviert, die alten Bitumenmatten und was sonst noch drin war, sogar eine Maus hatte Balu als Gast, alles musste raus.

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Wir haben uns mit Material ausgestattet zur Dämmung von Körperschall, Luftschall und Hitzeschutz. Für den neuen Teppich hat Sepp gesorgt, danke!

Die Dämmmatten für den Körperschall sollten wir nicht bei einer Lufttemperatur unter 20 Grad verarbeiten, das ging auch über 20 Grad nicht wirklich gut. Erst als wir auf die Idee kamen die Dämmmatten in die Sonne zu legen, waren die richtig gut zu verarbeiten. Und für „Notfälle“ gab es ja noch den Heißluftföhn …

Ach ja, Notfälle – da war noch was.

Bei dieser Aktion wurde uns – besser mir – auch noch bewusst, dass wir unbedingt einen Kurs zur Auffrischung belegen müssen.

Erste Hilfe war angesagt! Johanna hatte sich in den Finger geschnitten, und ich … wie, was, wohin… Johanna musste sich selbst verarzten. Ich wurde zu einem Erste-Hilfe-Kurs verdonnert, damit ich beim nächsten Notfall helfen kann.

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Die Dämmmatten haben sich richtig gut an die Karosserie angepasst, und nach den ersten Probefahrten, wir waren anfangs sehr skeptisch ob dieser Aufwand denn wirklich spürbar bzw. hörbar etwas bringt, konnten wir das Ergebnis kaum erwarten, und – es war deutlich leiser im Fahrerhaus.

Die Innenverkleidung des Fahrerhauses haben wir mit Kunstleder überzogen, die Verarbeitung war relativ einfach. Das Leder und das Gegenstück mit hitzeaktivierbarem Kleber einstreichen, trocknen lassen und dann mit der nötigen Hitze (ca. 100-150 Grad) aneinander pressen. Bis auf ein paar kleinere Stellen haben wir das faltenfrei hinbekommen.

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Und so haben wir Stück für Stück alle Teile des Fahrerhauses mit Leder überzogen, im Bodenbereich neuen Teppich verlegt, hier und da noch nachlackiert und zum Schluss noch zwei luftgefederte Recarositze eingebaut.

Und so sieht das Ergebnis aus …

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Dann kam der Moment der Ernüchterung …

… Scotty bitte hochbeamen.

Wir hatten leider versäumt das Radio bzw. die Antenne auszuprobieren, und nach „Murphy’s Gesetz“ – Radio funktionierte nicht.  Also Dachhimmel und alles was wir schon mühevoll eingebaut hatten, wieder raus damit.

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Das einzig positiv daran war, dass wir – bedingt durch die Restauration des Fahrerhauses – jetzt schon wussten wie der Dachhimmel und die Sonnenblende auszubauen war.

… da war doch noch was, ach ja der Rahmen, die neuen Tanks (2 x 300 Liter), die Verlegung der Druckluft, und wir dachten wir sind mit dem fahrbaren Untersatz für unser neues „Heim“ fertig.

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Die Pritsche haben wir wieder rundherum mit einem U-Profil verschweißt, darüber kann man jetzt endlos diskutieren – nicht nötig, zu schwer usw. – wir haben uns für die robuste Variante entschieden, die original Rautenlagerung haben wir auch behalten, denn wir wollen ja die Welt umrunden und die 7,49 to – die hält auch so selten einer ein.

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Um die beiden neuen 300 Liter Tanks unterzubringen mussten wir die Druckluftversorgung incl. der Hydraulik für die Bremsanlage ca. 15 cm in Richtung Fahrerhaus verschieben. Und wieder mal war unserer Balu zu keiner Bewegungsfahrt im Stande …

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Nach insgesamt 3 Tagen hatten wir es geschafft, alles war an seinem Platz. Wir haben den Originaltank durch zwei 300 Liter Tanks ersetzt, dieselben die auch an den aktuellen Actros Modellen verbaut werden. Die Tankgeber waren auch dabei und auf die Idee dass es dafür keine passenden Tankuhren gibt – da muss man erst mal drauf kommen.

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Zusatzinstrumente oder Ersatzteile für einen 30 Jahre alten LKW zu bekommen stellte sich als relativ leicht heraus, aber eine Tankanzeige für einen NEUEN Tank zu bekommen – nöö, die gibt es nicht !! Und deshalb heißt es jetzt: Forschungsauftrag wurde an Prof. Stefan vergeben. Er könnte ja seine Studenten nicht nur theoretisch sondern auch mal praktisch fordern. 

Aufgabe: Eine Tankanzeige für Diesel bauen, mit einer Spannungsversorgung von 24 V und einem Meßwiderstand von 3 bis 1000 Ohm – ist doch einfach, oder? 

Lassen wir uns mal überraschen was der PROF so auf dem Kasten hat, wenn nicht muss das Internet herhalten …man muss ja schließlich einen Plan B haben. Plan C ist schon fertig – und der heißt Meterstab.

Und mit unseren anfangs sehr dürftigen Elektronikkenntnissen war es zwar manchmal frustrierend, aber mit Allrad-Forum und Prof. Stefan haben wir das doch hinbekommen und haben jetzt für beide Seiten je eine Tankanzeige.

Und das sind sie …

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Wir haben bis jetzt insgesamt ca. 1500 Arbeitsstunden in unseren Balu gesteckt, verteilt über die letzten 2 Jahre.

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Bevor wir auf die erste große Reise gegangen sind haben wir Balu natürlich auch das erste mal gewaschen und so sieht er nun aus.

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Und weil er gerade so schön sauber war mussten wir Balu mal einen kleinen Ausflug ins Gelände gönnen – denn da gehört er ja schließlich auch hin.

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Ausflug – Gelände Lightversion, er war ja schließlich gerade erst sauber gemacht …

Und bei all unserem Enthusiasmus dürfen wir eins nicht vergessen, unsere Verwandtschaft die sich mit unserem Vorhaben nicht so ganz anfreunden kann. Die Sorgen überwiegen … aber ganz besonders Onkel Hans ist dann doch nicht zu bremsen und unterstützt uns mit ganzer Kraft. Er hat uns in kürzester Zeit eine „Bautreppe“ – wobei die Bezeichnung eigentlich eine Beleidigung für diese tolle Treppe ist – hingezaubert. Super stabil, mit Geländer und gehobelten Trittstufen. Einfach klasse, etwas anderes kann man dazu nicht sagen.

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